Anmerkungen: Von Trugbildern

Was sind Eidolonworks?

Eidolonworks ist ein unkommerzielles Projekt, das die künstlerischen Möglichkeiten des digitalen Wechselspiels von 0 und 1 ausloten will, indem mittels digitaler Fotografie und Bildbearbeitung Schnittstellen sowie Schnittmengen von Abstraktion und intuitiver Formgebung, von klassischer Malerei und digitaler Imitation, von Original und Interpretation untersucht werden.

Der Name bleibt dabei immer Programm, denn die Eidologie interessiert sich per definitionem dafür "auf dem Weg der Gestaltbeschreibung das Wesen eines Dinges zu erforschen". Das philosophisch orientierte Ziel der Theorie verfolgt hier die digitale Kunst jedoch zunächst intuitiv und in praxi. Der Fortgang auf diesem Weg geht dabei einher mit einer ständigen Umgestaltung der ursprünglichen Form, um sich der äußeren Qualität gleichsam auch aus dem Innern heraus zu nähern. Bits und Bytes werden hier ebenso unsichtbar, wie allmählich die ursprüngliche Form sich verliert im freien Spiel der Möglichkeiten. Man fühle sich nicht zufällig erinnert an den Rezipienten eines literarischen Werkes, der im Zuge der Aufnahme der niedergeschriebenen Worte deren Netzwerk (vgl. Text von textus/Gewebe) auch vor dem Horizont der eigenen Sozialisation und persönlichen Erlebnisvergegenwärtigung den Roman bei jedem Rezeptionsvorgang immer wieder neu schreibt und interpretativ überhaupt erst auszubilden vermag. Roland Barthes nannte dies den Tod des Autors, der sich zugleich verbindet mit der Geburt des Lesers. Und ich denke, dies lässt sich in ähnlicher Weise auch auf das Betrachten von Objekten und Bildern übertragen: Zunächst muss der Künstler das einfache oder komplexe Objekt in seine Weltsicht integrieren. Auch dies geht nicht ohne eine rudimentäre Form von Interpretation vor sich, die zugleich eine Reduktion von Komplexität bedeutet. Wer meint, eine Rose sei einfach nur eine Rose sei eine Rose sei eine Rose..., versuche nur einmal eine vollständige semantische Beschreibung der Konzepte [Rose] und [Blume]. Jedes Subjekt assoziiert das Objekt seiner Betrachtung zugleich mit seinen persönlichen Erfahrungen und seinem Weltwissen über gültige Konzepte von diesem und ähnlichen sowie verschiedenen Objekten. Die tatsächliche Ausprägung der Assoziationen verändert sich von Betrachter zu Betrachter. Das bedingt letztlich auch die Wahrnehmung des Objektes selbst. Der Künstler, der sich eines Objektes annimmt, nimmt sich damit auch all der damit verbundenen Konzepte an - und steht erst am Anfang einer Kette von Um- und Überformungen, die sich aus der Arbeit mit dem Objekt in ebenfalls assoziativ geprägten Kontexten ergibt sowie aus den anschließenden Interpretationen möglicher Betrachter. Blickt der Betrachter nicht nur auf ein Bild, sondern in ein Bild, indem er sich auf dieses komplexe Objekt und seine Einbettung in ein Netzwerk von Kontexten, Assoziationen und offenen Fragen einlässt, dann blickt auch das Bild gleichsam in den Betrachter selbst hinein. Dabei gerät die Differenzierung von Abbild und Trugbild, die sich im Begriff "Eidolon" manifestiert, ins Wanken. Im Bewusstsein, dass es sich aufgrund der Bedingtheit unserer menschlichen Sinne und der Überformung des positivistisch "Echten" mit unserer eigenen Interpretation davon bei jedem existierenden Bild um ein Trugbild handelt, kann - und das ist die Hoffnung dabei - ein neues "Echtes" entstehen, in uns. Die einzige Tragik dabei ist: Wir können diese Bilder mit niemandem teilen, denn sie entstehen und existieren ausschließlich in uns, in Ihnen...

Wie entstehen Eidolonworks?

Bei all der kompliziert klingenden Theorie stellt sich das notwendige Handwerkszeug für die Trugbildarbeiten als erschreckend einfach dar. Doch auch das ist ein Trugbild: Während die Theorie komplex klingt, aber im Grunde recht einfach gestaltet ist, erweckt Adobes Bildbearbeitungsprogramm Photoshop den Eindruck recht einfach zu sein, erweist sich jedoch aufgrund der unerschöpflichen Gestaltung- sowie der Kombinationsmöglichkeiten der integrierten Grafikwerkzeuge als höchst komplex. Die einfache Bedienbarkeit der Software führt zwar schnell zu professionellen Ergebnissen, doch wer gezielt ans Werk geht und kleine Fehler mit großen Auswirkungen vermeiden will, kommt um eine intensive Beschäftigung mit den Grundlagen der digitalen Bildbearbeitung und dem spezifischen Zusammenwirken der verfügbaren Werkzeuge unter bestimmten Bedingungen ebensowenig herum wie um das Wissen von der Beschaffenheit von Licht und Farbe sowie von spezifischen Druckmedien und der Druckvorstufe.

Die Eidolonarbeiten, die hier vorgestellt werden, stellen eine Auswahl aus mehreren Gigabyte von Grafikdaten dar. Sie entstanden in den Jahren 1997 bis 2003 in erster Linie mit Photoshop, angefangen mit Version 4.0 bis hin zur vorletzten Version 7.0 (aktuell ist Photoshop CS, das der Versionierung 8.0 entspricht). Das Material, mit dem gearbeitet wurde, entstammt meist entweder der Digitalkamera (von niedrig- bis hochauflösend) oder der freien Hand des Mauszeigers. Neben Photoshop kommen zudem eine Reihe von eigenen Filtern zum Einsatz.

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